Nach unten zurück zur Übersicht

Blog

Interessante Artikel zum Thema

11. Januar 2018 - Sabine Klein

Interview mit Dr. Michaela Rosenblattl, MEd., Präsidentin des rtaustria, dem Berufsfachverband für Radiologietechnologie Österreich

In diesem Blog-Beitrag wollen wir Ihnen den Beruf der RadiologietechnologInnen näher bringen. Dieser Berufsstand spielt im Österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramm nämlich eine Schlüsselrolle: Denn nur wenn die Mammografie-Aufnahmen höchste Qualitätsansprüche erfüllen, ist eine Befundung möglich. Wir haben uns mit Michaela Rosenblattl über Berufsbild, Aus- und Fortbildung und ihre Aufgaben als Präsidentin des Berufsverbandes unterhalten.

Früh erkennen: Frau Rosenblattl, Sie sind Präsidentin des Berufsverbandes für Radiologietechnologie in Österreich. Das ist eine Berufssparte, die vielen Frauen möglicherweise nicht sehr vertraut ist. Wie darf man sich den Berufsalltag als RadiologietechnologIn denn eigentlich vorstellen? Was alles gehört – besonders im Zusammenhang mit dem Brustkrebs-Früherkennungsprogramm – zu Ihren Aufgaben?

Michaela Rosenblattl: Eines ist für Frauen bestimmt überraschend: Wir RadiologietechnologInnen beginnen mit unserer Arbeit bereits ab dem Zeitpunkt, an dem eine Untersuchung angemeldet wird. Ab diesem Moment starten unsere Vorbereitungen für die Untersuchungsdurchführung. Dazu wird erfasst, welche besonderen Erfordernisse vorliegen, etwa ob die psychische Verfassung einer Frau berücksichtigt werden muss oder der kulturelle Hintergrund. Die gesamte Untersuchung ist umfassend: Neben dem Patientenfragebogen und der gewissenhaften Protokollierung müssen die konkreten Untersuchungsparameter festgelegt werden – stets abgestimmt auf die individuellen Möglichkeiten der Frau: Damit die Mammografiebilder befundet werden können, braucht es optimales Bildmaterial – das muss auch für Frauen gelten, die etwa eine Bewegungseinschränkung haben. Erst wenn diese Voraussetzungen geklärt sind, wird das Röntgenbild erstellt, unter strikter Einhaltung der Strahlenschutzanforderungen. Danach kommt es zur Bildanalytik und Auswertung nach den PGMI-Kriterien. Diese Kriterien sind ideal, um Mammografie-Aufnahmen zu beurteilen. Die auf diese Weise gewonnen Ergebnisse übergeben wir an zwei unabhängige RadiologInnen zur Befundinterpretation. Danach übernehmen wir die Nachsorge und das Entlassungsmanagement mit der Übergabe des Befundes.

Früh erkennen: Hatte die Einführung des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms auch Auswirkungen auf die Ausbildung? Was unterscheidet RadiologietechnologInnen von RöntgenassistentInnen?

Michaela Rosenblattl: RadiologietechnologInnen haben ein Bachelorstudium hinter sich, sie sind ein akademischer Gesundheitsberuf mit mindestens 4500 Stunden Studienzeit. Darin ist die Behandlung der Brust in mehreren Lehrveranstaltungen und Fachgebieten verortet: Anatomie, Pathologie, Projektionsradiographie inkl. Bildanalytik, MR-Mammographie, Mamma-Interventionen und Krankenhaushygiene, Strahlentherapie der Brustdrüse inkl. der Dosisberechnungen und vieles mehr. Patientenbetreuung, Kommunikation, Gerätetechnik, Signal-und Bildverarbeitung gehören ebenfalls zu unseren Aufgaben. Das bedeutet, dass ausgebildetete RadiologietechnologInnen bereits ein umfangreiches Wissen haben. RöntgenassistenInnen hingegen haben eine modulare Kurzausbildung hinter sich, was sie zur Durchführung einer standardisierten Mammografie unter Aufsicht von RadiologietechnologInnen berechtigt. Alle anderen Verfahren sind nicht im Berufsbild enthalten.

Wie genau müssen sich die RadiologietechnologInnen fortbilden und warum ist das so wichtig?

Michaela Rosenblattl: RadiologietechnologInnen haben die ausdrückliche Berufspflicht, sich regelmäßig fortzubilden. Sie sind erste Ansprechpersonen für die Frau, wenn sich die Kabinentür öffnet. Dass sich das auf der Gefühlebene niederschlägt, hat bestimmt jede Frau bereits erlebt, die schon einmal bei der Mammografie war. Auch damit müssen wir professionell umgehen können: Hier muss sofort ein guter Kontakt hergestellt werden, damit die Untersuchung in einer angenehmen Atmosphäre abläuft, sich die Frau entspannt und dadurch die Untersuchungsqualität gewährleistet werden kann. Erst durch die Beachtung aller körperlichen Möglichkeiten der Frau wird die Mammografie qualitativ gut: Wenn es körperliche Einschränkungen oder besondere Merkmale gibt, müssen wir das auch dokumentieren. Diese Maßnahmen sind also „befundrelevant“, wie wir das nennen: Nur im Zusammenhang mit dieser Information kann eine optimale Bildinterpretation durch Ärztin oder Arzt gelingen. RadiologietechnologInnen und ÄrztInnen (RadiologInnen) müssen zusammenarbeiten, denn nur durch die Kombination aus beiden Kompetenzen kann eine gelungene Mammografie entstehen. Die Fortbildung bringt die Berufsgruppen im Sinne der Qualität auf eine Ebene. Der Austausch unter der Kollegenschaft ist wichtig. Deshalb sind bei unseren Kursen alle Fragen erlaubt und ausdrücklich erwünscht.

Früh erkennen: Was genau sind Ihre Aufgaben als Präsidentin des Berufsverbandes?

Michaela Rosenblattl: Keine Frau gleicht der anderen, jede hat das Anrecht auf eine optimale Versorgung. Nicht nur die Untersuchung braucht Zeit, auch die Begutachtung von früheren Aufnahmen und die Beurteilung der gemachten Bilder. Diese Zeit muss unserer Berufsgruppe zugestanden werden. Wenn z.B. aus Zeitdruck, nicht die ganze Brust abgebildet ist, ist die Aufnahme wertlos. Deshalb ist die Einhaltung einheitlicher Qualitätsrichtlinien zentral und dafür setze ich mich mit meinen KollegInnen Michaela Hondl und Stefan Gaisbichler und Sabine Weissensteiner,MA., durch die Konzipierung unserer Weiterbildungskurse ein. Das spiegelt sich auch in unserem Bildungsangebot wider, bei dem uns noch weitere KollegInnen unterstützen. Nur wenn wir gute Untersuchungsabläufe und Qualitätsrichtlinien einhalten, können gute Befunde entstehen. Das ist gerade für unsere Arbeit in der Brustkrebs-Früherkennung wesentlich, aber natürlich nicht immer einfach. Jeden Tag haben wir mit ganz unterschiedlichen Frauen zu tun, die im Rahmen der Mammografie ihre ganz individuellen Bedürfnisse haben. Trotzdem sollen am Ende einwandfreie Bilder herauskommen. Diesen Spagat meistern wir täglich und als Präsidentin des Berufsfachverbandes für Radiologietechnologie Österreich (rtaustria) ist es mir ein Anliegen, dass unsere Arbeit anerkannt wird.

 

Weitere Informationen zum rtaustria finden Sie hier.

Sabine Klein

Sabine ist Innovationsmanagerin in der WGKK. Davor war sie Teil des Teams der Koordinierungsstelle des Österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms. Zudem ist sie Trainerin für Stressmanagement und Burnout-Prävention. Eine ausgeglichene Lebensführung, bei der Spaß und Bewegung nicht zu kurz kommen, ist ihr besonders wichtig.

Letzte Artikel von Sabine Klein