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1. Februar 2018 - Nina Roth

Erhöhtes familiäres Brustkrebs-Risiko. Susanna erzählt von der Brustgenberatung.

Schon ein halbes Leben lang glaubte Susanna (Name von der Redaktion geändert), dass sie ein erhöhtes familiäres Risiko für Brustkrebs hat. Denn sie wusste, dass beide Omas und ihre Tanten „Frauenkrebs“ hatten. Susanna hatte sich eine Zeit lang keine Gedanken darüber gemacht, doch in letzter Zeit beschäftigte sie das Thema immer mehr und sie begann sich zu fragen, ob sie möglichweise ein erhöhtes Brustkrebs-Risiko hat.

Auf einer Veranstaltung erfuhr sie von Dr.in Marianne Bernhart, der programmverantwortlichen Medizinerin des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms, von der Möglichkeit einer Brustgenberatung. Anhand einer Analyse des Familienstammbaums und eines Bluttests wird dabei erhoben, wie hoch das individuelle Risiko an Brustkrebs zu erkranken ist. Wichtig wäre allerdings – das betonte die sympathische Ärztin – dass Susanna sich darüber bewusst sei, dass dabei auch ein hohes Risiko an Brustkrebs zu erkranken heraus kommen könne. Dr.inBernhart empfahl ihr daher darüber nachzudenken, wie sie damit umgehen würde und sich auch über die möglichen Konsequenzen zu informieren. Nachdem Susanna ein paar Tage nachgedacht hatte und Informationen – z.b. hier  – eingeholt hatte, war ihr klar: „Ich will es wissen. Denn ich habe Möglichkeiten mit einem möglicherweise erhöhten Brustkrebs- und Eierstockkrebs-Risiko verantwortungvoll umzugehen.“ Susanna hatte von einer intensivierten Früherkennung von Brustkrebs bei erhöhtem Risiko gelesen und von einer vorbeugenden Entfernung des Brustgewebes.

Ungewöhnlich schnell ergatterte die Wienerin einen Termin in der Brustgen-Beratungsstelle am Wiener AKH. Bereits eine Woche später ging sie ausgestattet mit dem Familien-Stammbaum zum Anamnese-Gespräch. Ein Gynäkologe und eine Pychologin, die das Gespräch mit Susanna führten, klärten sie zunächst über den Ablauf des Gesprächs auf und dass sie es jederzeit abbrechen könne, wenn es ihr zu viel wurde. Als nach der gemeinsamen Familien-Anamnese klar war, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass Susanna tatsächlich ein erhöhtes familiäres Risiko für Brust- und Eierstockkrebs haben könnte, wurde sie von dem Arzt über die möglichen Methoden ihr Risiko zu senken aufgeklärt. Sie erfuhr von der vorbeugenden Entfernung des Brustgewebes sowie von der vorbeugenden Entfernung der Eierstöcke und um wie viel Prozent sie mit diesen Methoden ihr Risiko senken könne. Susanna hat überrascht, dass sich ein mögliches Brustkrebs-Risiko mit einer Entfernung des Brustgwebes um fast 90 % reduziert. Nach dem Gespräch mit den beiden Experten in angenehmer Atmosphäre, war Susanna zu ihrer eigenen Überraschung eher beruhigt als beunruhigt und sie hatte das Gefühl richtig gehandelt zu haben. Nachdem sie erfahren hatte wie eine Entfernung des Brustgewebes oder der Eierstöcke vor sich gehen würde, war sie sich sicher, dass sie diese Möglichkeiten in Anspruch nehmem würde, falls ihr Befund positiv sein sollte. Außerdem war es ihr wichtig zu erfahren, ob ihr Sohn – falls sie selbst ein erhöhtes Risiko haben sollte – ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs hat. Sie hatte vor, ihn zu informieren und seine medizinischen Möglichkeiten mit ihm zu besprechen, falls ihr Befund positiv wäre.

Aber nun hieß es erst mal lange Warten. Die Zeit des Wartens hat Susanna kaum als belastend empfunden, weil sie ja bereits einen Plan hatte wie sie mit einem möglichen positiven Befund umgehen würde. Sechs Monate später erhielt sie ein Schreiben und Susanna fiel ein Stein vom Herzen: Ihr Befund war negativ – es wurden bei ihr keine kranksheitsassoziierten Veränderungen der Gene BRCA 1 und BRCA 2 gefunden. Im Befund stand zwar, dass sie aufgrund ihrer Familienanamnese ein erhöhtes Risiko hatte an Brustkrebs zu erkranken, aber nicht ihr Sohn. Im Befund wurden ihr intensivierte, engmaschige Untersuchungen zur Früherkennung von Brust- und Eierstockkrebs empfohlen.  Susanna wusste, dass ihr negativer Befund nicht bedeutete, dass auch ihre Geschwister – sie hat einen Bruder und eine Schwester – ebenfalls negativ wären. Ihr war es wichtig den Beiden Bescheid zu geben und sie darüber zu informieren, dass auch sie die genetische Beratung in Anspruch nehmen könnten. Während Susannas Schwester sich rasch einen Termin vereinbarte, war ihr Bruder nicht am Gentest interessiert. Er wusste nicht wie er mit einem möglichen positiven Befund umgehen soll, daher wollte er es lieber gar nicht wissen.

„Ich kann den Gentest empfehlen, mich hat es beruhigt Bescheid zu wissen. Doch letztendlich ist es eine sehr persönliche Entscheidung, die jeder für dich selbst treffen muss. Wichtig ist es über die möglichen Konsequenzen, die man aus dem Befund zieht, nachzudenken“, sagt Susanna heute.

Hier finden Sie Brustgen-Beratungsstellen in ganz Österreich.

Nina Roth

Nina hat bis 2018  im Team der Koordinierungsstelle des Österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms gearbeitet. Nina ist Ernährungswissenschafterin. Auf diesem Blog wird sie sich daher mit Ernährung und Bewegung zur Brustkrebs-Prävention auseinandersetzen. Themen, die sie besonders wichtig findet, weil frau mit kleinen Veränderungen des Alltags viel bewirken kann.

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